„JAK”-Therapieoption für PV-Patienten

Die sogenannten JAK-Hemmer bilden eine Substanzklasse, die das Enzym Januskinase hemmt. Dieses ist an einem wichtigen Signalübertragungsweg der Zelle beteiligt.

Abbildung mod. nach Levine RL et al.1Januskinasen (JAK) gehören zu einer Gruppe von Molekülen, die für die normale Funktion menschlicher Zellen unabdingbar ist. Sie übernehmen im Körper viele Aufgaben und spielen u.a. eine Rolle bei der kontrollierten Neubildung von Blutzellen (Hämatopoese). Bei der Polycythaemia vera sind die Januskinasen verändert, was zur Folge hat, dass bestimmte Signale in der Zelle nicht korrekt weiter gegeben werden. Dadurch wird die Blutbildung gestört, es kommt zu einer unkontrollierten Zellvermehrung der Blutplättchen (Thromozyten), der weißen (Leukozyten) und besonders der roten Blutzellen (Erythrozyten).

Unkontrollierte Vermehrung von Blutzellen bei veränderter Januskinase (JAK)

JAK-Hemmer können auf den Entstehungsmechanismus der PV Einfluss nehmen, denn sie hemmen die Aktivität der Januskinasen. Damit haben sie auch einen Effekt auf die Blutbildung. Die Folge ist eine Reduktion der Blutzellen und dadurch eine "Verdünnung" des Blutes. JAK-Hemmer können auf diese Weise den Hämatokrit­wert kontrollieren und somit auch das Risiko für Blutgerinnsel senken. Zudem können die für PV typischen und stark belastenden Symptome wie chronische Müdigkeit, Juckreiz oder Nachtschweiß mitunter deutlich gelindert werden.

Ursächliche Behandlung der PV

Aderlass, Thrombozytenaggregationshemmer und zytoreduktive Medikamente stellen therapeutische Möglichkeiten dar, um die Symptomatik der PV zu verbessern. Mithilfe dieser Methoden wird das Blut verdünnt, die Blutgerinnung reduziert und damit die Fließeigenschaften des Blutes verbessert. Darüber hinaus wurde 2015 ein JAK-Hemmer in Europa zugelassen, das die Ursache der PV beheben kann. Man spricht in diesem Fall auch von zielgerichteter Therapie, weil das Medikament gezielt am Ort der Krankheitsentstehung wirkt. Es wird bei erwachsenen Patienten mit Polycythaemia vera, die auf eine Therapie mit zytoreduktiven Medikamenten nicht angesprochen oder diese nicht vertragen haben, oral verabreicht.

Mit JAK-Hemmern werden fast alle Therapieziele erreicht

Die Substanzklasse der JAK-Hemmer vereint mehrere Eigenschaften, die für die Therapie der PV von großem Vorteil sind:

  • Sie hemmen zielgerichtet einen wichtigen Signalübertragungsweg in der Zelle. Dieser ist bei PV für die unkontrollierte Vermehrung von bestimmten Blutzellen verantwortlich, was dazu führt, dass das Blut zähflüssiger wird. Durch die Hemmung dieses Signalweges haben sie einen Einfluss auf die Ursache der Erkrankung: Es werden weniger Blutzellen gebildet und das Blut wird „dünner“.
  • Sie können häufige und stark belastende Symptome wie z. B. chronische Müdigkeit, Juckreiz, nächtliches Schwitzen, Konzentrationsstörungen und Knochenschmerzen vermindern.
  • Sie können den Hämatokrit­wert kontrollieren, wodurch das Thrombose­risiko sinkt und Schlaganfall sowie Herzinfarkt vorgebeugt werden können.
  • Sie können spätere Komplikationen der PV verhindern, wie z.B. den Übergang in eine Myelofibrose.
  • Sie lindern zahlreiche Symptome: Eine aktuelle klinische Studie zur Wirksamkeit eines JAK-Hemmers bei Patienten mit PV ergab, dass sich 13 der 14 untersuchten Symptome durch die Behandlung mit einem JAK-Hemmer verbesserten.

Insbesondere die Linderung der Symptome und Beschwerden tragen zu einer Verbesserung der Lebensqualität der Patienten bei – diese sind weniger eingeschränkt in ihrem Alltag und leistungsfähiger z.B. durch eine Verminderung ihrer Müdigkeit.
Daneben nehmen JAK-Hemmer aufgrund ihrer Wirkweise Einfluss auf den Krankheitsverlauf, was zur Erfüllung des wichtigsten Behandlungsziels einer PV beiträgt: der Vermeidung von Komplikationen aufgrund von Thrombose­n.

Stand: 2017

Quellen: 

[1] Levine RL et al. Role of JAK2 in the pathogenesis and therapy of myeloproliferative disorders. Nat Rev Cancer 2007;7(9):673-683. [2] Vannucchi AM et al. Ruxolitinib versus Standard Therapy for the Treatment of Polycythemia Vera. N Engl J Med 2015;372:426-435.