Kontrolluntersuchungen bei Polycythaemia vera (PV)

Ärztliche Kontrolluntersuchungen sollen Patienten Sicherheit geben und eine optimale Therapie bei Polycythaemia vera gewährleisten.

Kontrolluntersuchungen bei Polycythaemia vera (PV)Die Polycythaemia vera ist eine chronische, myeloproliferative Erkrankung (MPN), bei der die Anzahl der Zellen im Blut erhöht ist. Dadurch verändern sich die Fließeigenschaften des Blutes. Der Körper wird nicht optimal mit Sauerstoff versorgt und es kann zur Bildung von Blutgerinnseln kommen (Thrombose). In vielen Fällen lässt sich die Erkrankung effektiv behandeln. Menschen, die die notwendigen Kontrolluntersuchungen bei einer Polycythaemia vera zuverlässig in Anspruch nehmen, haben oft eine nahezu normale Lebenserwartung und eine gute Lebensqualität.

Gute Gründe für regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Das Ziel der regelmäßigen Kontrolluntersuchungen bei der Polycythaemia vera ist es, den Krankheitsverlauf zu kontrollieren und die Therapie, wenn nötig, anzupassen.

Ziel der Behandlung einer PV ist es, die Anzahl der roten Blutkörperchen zu senken und dadurch den Hämatokrit, also den Anteil der Blutzellen am Gesamtblut, möglichst gut einzustellen. Wenn das Blut weniger Zellen enthält, verbessern sich seine Fließeigenschaften. Das fördert die Durchblutung und kann Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen, Ohrensausen und Juckreiz lindern. Außerdem sinkt das Risiko für Komplikationen wie Thrombosen und Schlaganfälle, bei denen Blutgerinnsel die Blutgefäße verstopfen und die betroffenen Organe nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden.

Verlaufskontrolle ist Teamarbeit

Bereits bei der Diagnose der Polycythaemia vera, aber auch im Verlauf der Erkrankung, haben Sie wahrscheinlich Kontakt mit verschiedenen Ärzten. Hierzu gehören auch die Ärzte, die Sie ganz unabhängig von Ihrer PV wegen anderer Beschwerden, z. B. wegen Rückenproblemen, aufsuchen.

Im Idealfall sollten Sie jedoch einen konstanten Ansprechpartner haben, der Ihre gesamte Krankheitsgeschichte kennt und verfolgt. Je nach individueller Situation kann diese Aufgabe der Hausarzt übernehmen oder ein auf Erkrankungen des Blutes spezialisierter Hämatologe, der bei der Polycythaemia vera meistens auch die Diagnose stellt.

Über Ihre Polycythaemia vera sollten Sie immer alle behandelnden Ärzte informieren. Nur so können diese Ihre gesundheitlichen Beschwerden richtig einschätzen und angemessen reagieren. Besonders bei bevorstehenden Operationen oder bei Schwangerschaften muss der behandelnde Arzt aufgrund des erhöhten Thromboserisikos unbedingt wissen, dass Sie an PV erkrankt sind. Nachsorge und Verlaufskontrollen im Rahmen der Polycythaemia vera sind daher Teamarbeit – Sie sind dabei nicht nur Mittelpunkt, sondern auch selbst ein wichtiges Team-Mitglied.

Die Zeitabstände hängen vom Krankheitsverlauf ab

Ziel der Kontrolluntersuchungen ist es, die Blutwerte gut einzustellen und die Entwicklung der Polycythaemia vera (PV) im Auge zu behalten, damit der Arzt bei Bedarf die Behandlung rechtzeitig optimieren und anpassen kann. Der Krankheitsverlauf kann bei einer myeloproliferativen Erkrankung (MPN) allerdings individuell sehr unterschiedlich sein. Es gibt deshalb für die Verlaufskontrollen keinen festen Zeitplan und kein vorgefertigtes Untersuchungsschema. Stattdessen richtet sich der Ablauf der Verlaufskontrollen nach den Bedürfnissen jedes einzelnen Patienten. Meistens sind zu Beginn der Behandlung noch relativ häufige Kontrollen notwendig. Sobald die Erkrankung durch die Therapie gut kontrolliert ist, kann der Arzt den Abstand zwischen den Untersuchungen in vielen Fällen auf einige Monate erhöhen.

Die Verlaufskontrolle der Polycythaemia vera erfordert bestimmte Untersuchungen

Bestimmte Untersuchungen wird der Arzt bei jeder Verlaufskontrolle durchführen, wenn Sie an Polycythaemia erkrankt sind. Diese kann er bei Bedarf durch weitere Untersuchungen ergänzen.

Das Gespräch: Im Mittelpunkt der Verlaufskontrolle steht das Gespräch zwischen Ihnen und Ihrem Arzt. Hierbei wird der Arzt Ihnen einige gezielte Fragen zu Ihrem Befinden stellen. Es ist wichtig, dass Sie dabei auch Beschwerden erwähnen, die Sie vielleicht nicht in Zusammenhang mit Ihrer Erkrankung bringen. Müdigkeit oder Appetitlosigkeit beispielsweise können Nebenwirkungen von Medikamenten sein. Auch diese kann der Arzt in der Regel effektiv behandeln.

Das Gespräch soll Ihnen außerdem die Gelegenheit geben, alle für Sie wichtigen Fragen zu Ihrer Erkrankung zu stellen. Ihr Arzt kann Sie zum Umgang mit Ihrer Erkrankung beraten und Ihnen Anlaufstellen empfehlen, die Sie bei Bedarf in verschiedenen Lebensbereichen unterstützen können, wie zum Beispiel bei der Familienplanung, im Beruf oder bei Verrichtungen des Alltags.

Die körperliche Untersuchung: Dem Gespräch folgt meist eine allgemeine körperliche Untersuchung. Gewicht und Ernährungszustand sind ein guter Anhaltspunkt für das allgemeine Befinden – die Untersuchung der einzelnen Körperregionen kann Hinweise auf spezielle Organveränderungen, z. B. eine Vergrößerung der Milz, geben.

Blutuntersuchung: Eine Reihe von Blutwerten gibt dem Arzt Auskunft über Ihren allgemeinen Gesundheitszustand und über den Verlauf der myeloproliferativen Erkrankung. Beispielsweise sind bei einer Polycythaemia vera die Anzahl der roten Blutkörperchen und der prozentuale Anteil an Blutzellen erhöht und müssen regelmäßig kontrolliert werden.

Weitere Untersuchungen: Ungefähr einmal pro Jahr ist eine Ultraschalluntersuchung der Milz sinnvoll. Diese ist bei vielen Menschen mit Polycythaemia vera (PV) vergrößert. Drückt die Milz auf die anderen inneren Organe und verursacht Schmerzen, ist unter Umständen eine Behandlung notwendig, um ein weiteres Wachstum zu verhindern. Außerdem kann eine zunehmende Milzvergrößerung darauf hinweisen, dass die Polycythaemia vera (PV) fortschreitet und der Arzt die Behandlung anpassen muss.

Aufwändigere Untersuchungen: In seltenen Fällen kann eine Polycythaemia vera in eine Leukämie oder eine Myelofibrose übergehen. Wenn der Arzt bei den regelmäßigen Verlaufskontrollen Hinweise auf einen solchen Übergang findet, ist eine Knochenmarksuntersuchung sinnvoll.

Der Nutzen der ärztlichen Verlaufskontrollen ist dann besonders groß, wenn alle beteiligten Ärzte, aber auch Angehörige und Sie selbst, sich als aktive Mitglieder eines Teams verstehen. In einem offenen Gespräch lassen sich wichtige Fragen klären und Ängste abbauen. So können Ihnen die Verlaufsuntersuchungen Sicherheit und Unterstützung bieten.

Stand 2017

Quellen: 

[1] mpn-netzwerk e.V. Polycythaemia vera – Antworten auf häufig gestellte Fragen. Stand: Juni 2011 http://www.mpn-netzwerk.de/fileadmin/dokumente/PV_Broschuere.pdf (zuletzt besucht am 09.03.2017) [2] dkfz. Krebsinformationsdienst, www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/nachsorge.php (zuletzt besucht am 10.03.2017) [3] Deutsche Krebsgesellschaft e.V. Die Blauen Ratgeber: Patienten und Ärzte als Partner (Stand 12/2014) https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/043_0124.pdf (zuletzt besucht am 10.03.2017)

Weiter lesen