Reha bei Polycythaemia vera (PV): ein Recht auf Nachsorge

Nach einer stationären Erkrankung kann eine Reha Patienten mit Polycythaemia vera die Rückkehr in den Alltag erleichtern. Welche Maßnahmen gibt es? Wer trägt die Kosten?

Reha bei Polycythaemia vera (PV): ein Recht auf NachsorgeFür Patienten mit myeloproliferativen Erkrankungen können nach einem stationären Aufenthalt eine Anschlussbehandlung (AHB) oder eine Rehabilitation (Reha) als ergänzende Maßnahmen für eine optimale Versorgung dienen. Eine AHB erfolgt im direkten Anschluss an den Krankenhausaufenthalt; die Notwendigkeit der Maßnahme stellt das Krankenhaus fest. Eine Reha kann binnen eines Jahres nach Behandlungen und Therapien erfolgen und setzt ein medizinisches Gutachten für eine Genehmigung voraus.

Beide Maßnahmen sollen mögliche Nebenwirkungen der Krankheit oder der Behandlungen verringern und gleichzeitig den Erfolg der bereits durchgeführten Therapien festigen. Eine Reha bei Polycythaemia vera wird speziell auf Ihren individuellen Krankheitsverlauf abgestimmt. Die Maßnahme soll Sie dabei unterstützen, Ihre körperlichen, beruflichen oder sozialen Fähigkeiten wiederzuerlangen und zu erhalten.

Reha bei Polycythaemia vera für mehr Lebensqualität

Spezielle und auf die Erkrankung abgestimmte Reha-Maßnahmen können das allgemeine Wohlbefinden steigern und die Beschwerden deutlich lindern. Die positiven Wirkungen bei einer Reha werden noch verstärkt, wenn im Anschluss an die stationäre Rehabilitation weiterhin ambulante Therapien erfolgen. Vor allem wird das Selbstwertgefühl gestärkt und der eigene Körper besser akzeptiert.

Auch wenn eine Reha äußerst wertvoll sein kann, müssen Sie selbstverständlich nicht an einer Reha-Maßnahme teilnehmen. Da eine Reha immer speziell auf Ihre individuelle Erkrankung abgestimmt wird und die vorangegangenen Behandlungen und Therapien mitberücksichtigt, ist eine Teilnahme aber eine Überlegung wert. Die Rahmenbedingungen sind für gesetzlich Versicherte im Sozialgesetzbuch festgelegt (SGB V). Für privat Versicherte und Beihilfeberechtigte gibt es eigene Bestimmungen.

Eine Reha beantragen

Um Leistungen in Anspruch nehmen zu können, müssen Sie eine Reha-Maßnahme selbst beantragen. Sie erfolgt nicht automatisch. Sie müssen daher klären, wer Ihnen die Leistungen bewilligen kann. Für Rehabilitationsleistungen sind in Deutschland unterschiedliche Leistungsträger zuständig. Da jedoch alle Träger zur Zusammenarbeit verpflichtet sind, wird Ihr Antrag, egal bei wem Sie ihn gestellt haben, binnen 14 Tagen an den für Ihren Fall zuständigen Leistungsträger weitergeleitet. Zudem finden Sie deutschlandweit gemeinsame Servicestellen der Rehabilitationsträger, die Ihnen bei der Antragstellung behilflich sind. Das können beispielsweise die Reha-Servicestellen der Deutschen Rentenversicherung sein.

Wer ist der richtige Ansprechpartner?

Welcher Leistungsträger für Ihre Anschlussbehandlung (AHB) bzw. Ihre Reha bei Polycythaemia vera zuständig ist, muss von Fall zu Fall geprüft werden.

  • Die Rentenversicherung übernimmt in der Regel Behandlungen, die der Wiedereingliederung ins Berufsleben dienen.
  • Die Krankenversicherung zahlt, wenn Reha-Maßnahmen erforderlich sind, um eine Behinderung oder Pflegebedürftigkeit abzuwenden oder zu lindern.
  • Die Sozialhilfe ist als Leistungsträger für alle beantragten Maßnahmen zuständig, die nicht in den Zuständigkeitsbereich anderer Reha-Träger fallen.

Wenn Sie privat versichert sind, hängt es von Ihrem Vertrag ab, ob die Kosten übernommen werden. Klären Sie das unbedingt im Vorfeld. In der Regel werden die Ausgaben für eine Anschlussheilbehandlung aber übernommen.

Möglichkeiten einer Reha bei myeloproliferativen Erkrankungen

Eine Reha erfolgt binnen eines Jahres nach der Behandlung und dauert in der Regel drei bis vier Wochen. Dabei kann es durchaus auch zu Wartezeiten von drei Monaten oder mehr kommen – je nachdem wo Sie untergebracht werden oder untergebracht werden wollen. Die Reha kann stationär oder ambulant erfolgen. Eine Verlängerung ist möglich, wenn Arzt oder Klinik die Verlängerung medizinisch-therapeutisch begründen.

Man unterscheidet grundsätzlich:

  • Die medizinische Rehabilitation umfasst zumeist medizinische Maßnahmen, die auf die Erhaltung oder Besserung des Gesundheitszustands ausgerichtet sind, wie z. B. eine therapiebegleitende Krankengymnastik.
  • Die berufliche Rehabilitation dient der Wiedereingliederung ins Arbeitsleben. Dabei kann es sich um Maßnahmen wie Umschulung, Weiterbildung oder Umgestaltung des früheren Arbeitsplatzes handeln.
  • Die soziale Rehabilitation zielt auf die Bewältigung der individuellen Anforderungen im Alltag ab. Menschen, die z. B. nicht in der Lage sind, ihren Haushalt eigenständig zu führen, wird je nach Hilfebedarf eine Haushaltshilfe bewilligt.

Was müssen Sie zuzahlen?

Auf wie viele Behandlungstage die Reha-Zuzahlung begrenzt ist, hängt von der Art der Leistung, von der Dauer der Leistung und vom Kostenträger ab.

  • Zu stationären Vorsorge- und Reha-Maßnahmen müssen Sie eine festgelegte Zuzahlung leisten. Diese ist für die gesamte Dauer der Maßnahme zu zahlen, längstens jedoch 42 Tage.
  • Unter bestimmten Voraussetzungen (geringes Einkommen oder ALG II) können Sie sich vollständig oder teilweise von den Zuzahlungen befreien lassen.

Zuzahlungen, die Sie im laufenden Kalenderjahr bereits für eine Krankenhausbehandlung oder AHB geleistet haben, werden angerechnet.

Stand: 2017

Quellen: 

[1] Bundesministerium für Gesundheit, https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/online-ratgeber-krankenversicherung/medizinische-versorgung-und-leistungen-der-krankenversicherung/vorsorge-und-rehabilitation.html#c7309 (zuletzt besucht am 10.03.2017) [2] www.reha-patient.de. Das Informationsportal für Rehabilitation und Gesundheit, http://www.reha-patient.de/02_reha_antrag.php (zuletzt besucht am 10.03.2017) [3] Deutsche Rentenversicherung. Reha-Servicestellen, http://www.reha-servicestellen.de/ (zuletzt besucht am 10.03.2017) [4] Arbeitskreis Gesundheit, https://www.arbeitskreis-gesundheit.de/reha-beratung/der-weg-zur-rehabilitation/ (zuletzt besucht am 10.03.2017) [5] betanet. Suchmaschine für Krankheit & Soziales, http://www.betanet.de/betanet/soziales_recht/Anschlussheilbehandlung-17.html (zuletzt besucht am 10.03.2017) [6] MedizInfo, http://www.medizinfo.de/krebs/allgemein/therapie.shtml (zuletzt besucht am 10.03.2017) [7] Deutsche Rentenversicherung. Rehabilitation nach Tumorerkrankungen, 11. Auflage (8/2016), http://www.deutsche-rentenversicherung.de/cae/servlet/contentblob/232590/publicationFile/57299/rehabilitation_nach_tumorerkrankungen.pdf (zuletzt besucht am 10.03.2017) [8] Mannheim E.G., Helmes A., Weis J. Tanztherapie in der stationären onkologischen Rehabilitation, http://www.karger.com/Article/Abstract/346617 (zuletzt besucht am 10.03.2017) [9] Strathaus R.: Tanzen schenkt Lebensmut, Medical Tribune 09.10.2006 [10] dkfz. Krebsinformationsdienst, http://www.krebsinformation.de/leben/alltag/rehabilitation-nach-krebs.php (zuletzt besucht am 10.03.2017)