Polycythaemia vera (PV) und Berufstätigkeit

Fragen zur Berufstätigkeit beschäftigen viele Patienten mit Polycythaemia vera: Worüber muss ich meinen Arbeitgeber informieren? Wie gehe ich mit meinen Kollegen um? Kann ich weiter so arbeiten wie bisher?

Polycythaemia vera (PV) und BerufstätigkeitViele Patienten mit Polycythaemia vera können mit ihrer Erkrankung weiterhin ihrem Beruf nachgehen. Sie schöpfen daraus Kraft und die tägliche Arbeit kann sie auch von einer ständigen Beschäftigung mit der Krankheit ablenken. Andere ziehen hingegen den vollständigen Rückzug aus dem Beruf vor oder scheiden vorübergehend aus und kehren nach einer gewissen Zeit wieder an ihren Arbeitsplatz zurück. Wie auch immer Sie sich entscheiden, ergeben sich für Sie vermutlich eine Reihe von Fragen, die Ihr berufliches Umfeld und Ihre zukünftige Arbeitssituation betreffen.

Ist eine Information meiner Vorgesetzten erforderlich?

Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Sie Ihrem Arbeitgeber unverzüglich mitteilen, wenn Sie der Arbeit fernbleiben und ihn darüber informieren, wie lange Sie voraussichtlich fehlen werden. Wenn Sie länger als drei Tage nicht arbeitsfähig sind, benötigen Sie ein ärztliches Attest. Je nach Arbeitsvertrag oder für Sie geltendem Tarifvertrag kann dies auch schon früher eingefordert werden.

Die genaue Diagnose müssen Sie dem Arbeitgeber jedoch nicht mitteilen, denn sie unterliegt dem Datenschutz. Deshalb ist die Diagnose auch nicht auf dem ärztlichen Attest (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) vermerkt. Nur Ihre Krankenkasse erhält vom Arzt die Diagnose.

Wenn Sie mit Ihrem Vorgesetzten über Ihre Erkrankung sprechen, hat er jedoch die Möglichkeit, auf Ihren Zustand Rücksicht zu nehmen. Er kann beispielsweise dafür sorgen, dass Sie problemlos Ihre Arzttermine wahrnehmen können oder Arbeitspensum und Aufgabenbereiche an Ihre gesundheitliche Situation anpassen. So kann es in einem kleinen Unternehmen sinnvoll sein, wenn Sie Ihre Vorgesetzten frühzeitig informieren. Zum einen sind die Kontakte eventuell enger und persönlicher, zum andern können Ihre Vorgesetzten Sie aktiv unterstützen.

Wie kann ich meine Rückkehr in den Beruf gut vorbereiten?

Je besser Sie sich nach einer längeren Auszeit auf den Wiedereinstieg ins Berufsleben vorbereiten, desto günstiger kann dieser verlaufen. Sie können sich darüber Gedanken machen, wie belastbar Sie sind, ob Sie Teilzeit oder Vollzeit arbeiten möchten, ob Sie wieder in Ihrer vorherigen Position tätig sein möchten oder eine andere Beschäftigung vorziehen.

Wie kann ich meine Kollegen über meine Krankheit informieren?

Prinzipiell ist es Ihre eigene Entscheidung, ob Sie mit Ihren Kollegen über die Erkrankung sprechen. Sie können sich vorher überlegen, mit welchen Kollegen Sie am ehesten sprechen möchten und was Sie ihnen genau sagen, dann fällt Ihnen ein Gespräch eventuell leichter. Sie können sich auch klar machen, welche Unterstützung oder Hilfestellung Sie von Ihren Kollegen erwarten oder wünschen. Es kann auch hilfreich sein, wenn Sie wissen, was Ihre persönlichen Grenzen sind, d. h., wie viel Sie von sich erzählen möchten und wie viel Nähe Ihrer Kollegen Sie aushalten.

Jeder Kollege reagiert anders – ein praktisches Beispiel

Mit Kollegin Inge besteht ein gutes, persönliches Verhältnis und sie hat bereits Erfahrungen mit der Situation einer chronischen Krankheit. Sie ist offen für ein Gespräch und bietet Ihnen Unterstützung an. Vielleicht fragt Inge auch nach, wie sie Ihnen ganz praktisch helfen kann.

Dagegen kann es sein, dass der Kollege Max zukünftig ein Gespräch mit Ihnen meidet, weil er nicht weiß, wie er sich verhalten soll. Oder er befürchtet falsch zu reagieren oder „das Falsche“ zu sagen. Vielleicht ist Max über Ihre Diagnose selbst so fassungslos, dass er zunächst mit seinen eigenen Ängsten und Gefühlen nicht klar kommt. Er hat Angst, Ihnen platte Ratschläge zu geben oder zu nahe zu treten. Sie können Max aus diesem Dilemma helfen, indem Sie ihm zu verstehen geben, dass er mit Ihnen über die Krankheit offen sprechen kann, aber nicht muss. Sie können ihm anbieten, Fragen zu beantworten. Und Sie können natürlich selbst bestimmen, worüber Sie reden möchten und welche Themen Ihre Privatsache bleiben sollen.

Kollegen, die über Ihre Krankheit Bescheid wissen, können Verständnis dafür aufbringen, wenn es Ihnen beispielsweise nicht so gut geht und Sie entsprechend unterstützen.

Wie offen soll ich mit Kollegen umgehen?

Für einige Menschen kann es die geeignete Strategie sein, mit den Kollegen wie bisher umzugehen. Dadurch kann der Lebensbereich Arbeit, im sonst eventuell stark veränderten Leben, so normal wie möglich bleiben. Allerdings kann es immer Situationen geben, in denen es trotzdem nötig ist, über die Erkrankung zu sprechen, beispielsweise bei sichtbaren Anzeichen der Erkrankung oder dem Auftreten von Therapienebenwirkungen.

Vielleicht kann es für Sie eine gute Strategie sein, wenn Sie Ihren Kollegen zu Beginn nur die Informationen bezüglich Ihres Gesundheitszustandes geben, die für die Zusammenarbeit erforderlich sind. Ob Sie mit Ihren Kollegen detaillierter über die Erkrankung sprechen möchten, hängt von Ihnen selbst ab – je nachdem ob Sie mit Ihrer Erkrankung offen umgehen oder diese lieber als Privatangelegenheit betrachten möchten. Dabei kann auch die Form des generellen Umgangs unter Kollegen eine Rolle spielen.

Wo erhalte ich professionelle Unterstützung?

Wenn Sie Unterstützung für den Umgang mit Ihren Kollegen oder Ihrem Vorgesetzten wünschen, gibt es dafür professionelle Ansprechpartner. Sie können sich beispielsweise an Ihren Arzt, einen Psychotherapeuten, einen Seelsorger, Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen wenden.

Stand: 2017

Quellen: 

[1] dkfz. Krebsinformationsdienst, https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2010/news68.php (zuletzt besucht am 10.03.2017) [2] Hessischer RKW-Arbeitskreis “Gesundheit im Betrieb.”, http://www.betriebliche-eingliederung.de/ca/e/hvh/ (zuletzt besucht am 10.03.2017) [3] Macmillan Cancer Support. Talking to your employer about your cancer, http://www.macmillan.org.uk/Cancerinformation/Livingwithandaftercancer/Workandcancer/Supportforemployees/Workcancer/Talkingtoemployers.aspx (zuletzt besucht am 10.03.2017) [4] Deutsche Krebsgesellschaft e.V. Die Blauen Ratgeber: Wegweiser zu Sozialleistungen (Stand 10/2016), https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/040_0106.pdf (zuletzt besucht am 10.03.2017) [5] Macmillan Cancer Support. Working during treatment, http://www.macmillan.org.uk/Cancerinformation/Livingwithandaftercancer/Workandcancer/Supportforemployees/Workcancer/Workingduringtreatment.aspx (zuletzt besucht am 10.03.2017) [6] Macmillan Cancer Support. Talking to your colleagues about cancer, http://www.macmillan.org.uk/Cancerinformation/Livingwithandaftercancer/Workandcancer/Supportforemployees/Workcancer/Talkingtocolleagues.aspx (zuletzt besucht am 10.03.2017)