Pflege der Haut

Geschützt, gepflegt, gesund – alles klar mit Haut und Haar

Ausgebreitet bis zu zwei Quadratmeter groß, nur wenige Millimeter dick und rund drei Kilo schwer – die Haut ist nicht nur unser größtes und – mit Millionen Tastzellen – sensibelstes Organ; sie ist auch bei der Polycythaemia vera (kurz PV) besonders exponiert.

Zu den häufigsten Frühsymptomen zählen lästiges Brennen der Haut und Juckreiz. Auslöser ist krankheitsbedingt die extreme Ausschüttung von Botenstoffen – auch „Zytokinsturm“ genannt. Man geht davon aus, dass die Nervenzellen in der Haut, die für Juckreiz zuständig sind, von den Zytokinen aktiviert werden.

Teamwork

Während der Hämatologe mit Hilfe der richtigen Auswahl einer zielgerichteten Therapie den Juckreiz bei der PV deutlich reduzieren kann bzw. ganz zum Verschwinden bringt, können auch die Betroffenen selbst etwas tun.

Gerade bei der PV ist die Haut bei der tagtäglichen Instandhaltung der Barrierefunktion auf Unterstützung dringend angewiesen. Durch richtige Pflege und (UV-)Schutz, durch einen gesunden Lebensstil und ausgewogene Ernährung kann jeder selbst einen positiven Beitrag leisten, um sich wieder wohler in der eigenen Haut zu fühlen.

Selbsthilfe Körperpflege

Jedes Händewaschen, Duschen oder Baden entzieht der Haut Fett und andere Bausteine, welche die Haut feucht halten. Bereits vier Minuten heißes Duschen löst die gesamte, schützende Fettschicht auf. Ein wichtiger Schritt ist, auf langes und heißes Baden und Duschen zu verzichten. Besser: kurz und erfrischend duschen (30 Grad). Auch beim Händewaschen sollte der Temperaturhebel Richtung „kalt“ gedreht werden. Seife oder stark schäumende Duschgels laugen die menschliche Hülle unnötig aus. Wer zu trockener Haut neigt, sollte milde Duschöle und Syndets benutzen.

Selbsthilfe Hautpflege

Generell sollten Sie darauf achten, Produkte mit Konservierungs- oder Duftstoffen zu meiden. Machen Sie es sich zur Angewohnheit, zum Beispiel nach dem Duschen rückfettende Lotionen oder Cremes zu verwenden. Harnstoffhaltige Cremes erhöhen den Feuchtigkeitsgehalt der Haut und tragen dazu bei, sie weich und geschmeidig zu halten. Achten Sie auf einen erhöhten Fett-Anteil (Fettsäuren, Ceramide).

Selbsthilfe Haarpflege

Eine tägliche Kopfwäsche schadet nicht – allerdings: Benutzen Sie ein mildes Shampoo, sonst wird das Haar fettig. Spülen Sie fünfmal so lange, wie sie eingeseift haben. Lassen Sie Ihre Haare an der Luft trocknen. Der heiße Föhn kann dem Haar schaden.

Selbsthilfe Raumklima

Hohe Raumtemperaturen und geringe Luftfeuchtigkeit sind eine weitere Belastung für die Haut. Insbesondere während der Heizperiode sollten Sie regelmäßig lüften. Enge Kleidung reizt die Haut durch Reibung und Druck. Lieber weite, bequeme und atmungsaktive Materialien tragen, die auch ein übermäßiges Schwitzen verhindern.

Selbsthilfe Ernährung

Eine gesunde Ernährung kann das Erscheinungsbild der Haut nachweisbar verbessern. Hilfreich sind Vollkornprodukte, Kartoffeln, frisches Obst und Gemüse, Milch und pflanzliche Öle. Kaltwasserfische wie Makrele und Lachs enthalten Omega-3-Fettsäuren. Das sind wertvolle, antientzündliche Gegenspieler der Arachidonsäuren.

Versuchen Sie außerdem, das Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum zu vermeiden.

Selbsthilfe Bewegung

Laufen, Radfahren, Nordic Walking – Ausdauersport an frischer Luft sorgt durch die hohe Sauerstoffzufuhr für frische Farbe auf den Wangen. Ein guter Hinweis, dass die Regeneration der Haut aufgrund stärkerer Durchblutung bei der Bewegung angeregt wird.

Selbsthilfe Sonnenschutz

Der UV-Anteil im Licht der Sonne schädigt nachweisbar die Haut und trägt zur vorzeitigen Zellalterung bei. Suchen Sie sich deshalb bei starkem Sonnenschein möglichst ein schattiges Plätzchen. Bei Arbeiten in der Sonne können Sie Ihren Körper durch Kleidung (inklusive Sonnenhut) vor schädlichem UV-Licht schützen. Darüber hinaus stehen Lotionen, Cremes und Salben mit Lichtschutzfaktor 30 bis 50 zur Verfügung.

Selbsthilfe Selbstcheck

Machen Sie es sich zur Angewohnheit, Ihre Haut einmal im Monat gründlich zu kontrollieren. Arbeiten Sie dabei folgenden Kurzcheck ab:

  • Habe ich offene Stellen an der Haut?
  • Gibt es z. B. an den Unterschenkeln trockene und schuppende Haut?
  • Ist meine Haut lichtempfindlicher als früher?
  • Gibt es Hautrötungen?
  • Bemerke ich auffällige, sich verändernde Leberflecke bzw. Muttermale?
  • Gibt es andere Veränderungen an Haut oder Haar, die mich beunruhigen?

Auswertung: Bereits wenn Sie eine Frage mit Ja beantworten, sollten Sie als PV-Patient Ihren behandelnden Hämatologen möglichst bald darauf ansprechen. Eventuell wird er Sie an einen Dermatologen überweisen. Außerdem wird er eventuell mit Ihnen besprechen, ob eine Umstellung der PV-Therapie sinnvoll sein kann.

Quellen: 

[1] Steffen Schaal, Konrad Kunsch, Steffen Kunsch „Der Mensch in Zahlen“, Springer Verlag, 27.08.2015 [2] Deutsche Haut-und Allergiehilfe e.V. - Haut&Allergie AKTUELL, www.dha-allergien.de/produkte.html [3] Stiftung Warentest, „Cremen, cremen, cremen“, test, Journal gesundheit, S. 94 [4] Polycythaemia vera: Handlungsempfehlungen zum Hydroxyurea- Therapiemanagement. Vorgestellt im Rahmen der Presse-Roundtable „Blick auf die Haut – entscheidend für den Therapieerfolg bei PV“ am 18.05.2016 in Berlin von Prof.Dr. med. Griesshammer in Kooperation mit Prof. med Stadler