Polycythaemia vera (PV): weniger Angst, mehr Lebensqualität

Angst ist eine natürliche Reaktion auf große Veränderungen im Leben. Hierzu gehört auch die Diagnose einer chronischen Erkrankung. Wer lernt, seine Angst zu kontrollieren, kann jedoch seine Lebensqualität deutlich verbessern.

Polycythaemia vera (PV): weniger Angst, mehr LebensqualitätAngst ist ein normales Gefühl, das nahezu alle Menschen erleben, bei denen der Arzt eine chronische Krankheit wie die Polycythaemia vera diagnostiziert: Angst und Ungewissheit hinsichtlich des Therapie- und Krankheitsverlaufes, Angst davor, dass die Krankheit fortschreitet oder Komplikationen auftreten, Angst vor dem Verlust der Selbständigkeit im Alltag oder vor sozialer Isolation.

Wer Angst hat, muss nicht befürchten, dass seine Ängste die Heilung bzw. den Krankheitsverlauf der Polycythaemia vera negativ beeinflussen, denn dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Ängste sind in der Regel auch kein Anzeichen einer behandlungsbedürftigen, psychischen Erkrankung. Im Gegenteil, sie sind völlig normal und „erlaubt“. Nichtsdestotrotz können sie die Lebensqualität der Betroffenen und auch ihrer Angehörigen beeinträchtigen.
Das muss jedoch nicht sein: Wer seine Ängste und die körperlichen und psychischen Anzeichen hierfür erkennt, kann die Angst mit Hilfe verschiedener Strategien aktiv bewältigen und seine Lebensqualität verbessern.

Wie Sie mit Angst umgehen können

Es gibt keine Patentrezepte und keine allgemeingültigen Verhaltensregeln, wie man Angst erfolgreich bewältigen kann. Denn jeder Mensch hat seine eigenen Lebenserfahrungen und Strategien im Umgang mit Krisensituationen.  Wer seine Angst aktiv bewältigen möchte, sollte sich aber zunächst eingestehen, dass er Angst hat und sich bewusst machen, in welchen Situationen bzw. wovor er konkret Angst hat und wie sich seine Angst äußert.
 
Wahrscheinlich hat jeder Betroffene seine ganz speziellen Angstauslöser und auch die Anzeichen sind bei jedem Menschen anders. Manche Menschen zeigen eher körperliche Angstreaktionen, wie zum Beispiel Herzrasen, Atemnot oder Magen-Darm-Probleme, andere wälzen vorwiegend Angstgedanken oder spüren Angstgefühle. Wer weiß, was Angst für ihn konkret bedeutet, kann entsprechende Strategien anwenden, mit denen er seine Ängste in den unterschiedlichen Situationen abmildern oder sogar ganz verlieren kann.

Verhaltensweisen zur aktiven Angstbewältigung

Folgendende Verhaltensweisen können Sie dabei unterstützen, Ihre Angst aktiv zu bewältigen:

  • Die Angst akzeptieren
    Nehmen Sie Ihre Angst ernst, denken Sie Ihre Angst-Szenarien zu Ende und setzen Sie sich mit Ihrer Angst auseinander – wer seiner Angst Raum gibt, sich gestattet Angst zu haben, der beginnt mit seinen Angstgefühlen zu leben anstatt sie zu verdrängen. Vielleicht hilft es Ihnen, wenn Sie bei diesem wichtigen Schritt der Angstbewältigung auf die Unterstützung eines erfahrenen Psychologen vertrauen.
  • Über die Angst sprechen
    Sprechen Sie offen über Ihre Ängste und Sorgen, um sich zu entlasten. Nicht umsonst heißt es „sich etwas von der Seele reden“. Häufig kommt man im Gespräch auch auf neue Gedanken oder ändert eventuell seinen Blickwinkel auf die Angst, wenn man seinem Gegenüber davon erzählt.
  • Ängste herauslassen und Gefühle ausdrücken
    Angestaute Ängste können soweit anwachsen, dass sich ein enormer emotionaler Druck aufbaut. Dieser Druck wandelt sich häufig in Wut und Aggression. Wut abzulassen kann dazu beitragen, Ängste abzumildern. Deswegen sollten Sie Ihre Gefühle herauslassen und nicht ständig unterdrücken. So können z. B. Musik, Malen oder Bewegung als ein sehr gutes Ventil dienen.
  • Kontakte mit nahestehenden Menschen und verständnisvolle Unterstützung suchen
    Die Familie, Freunde, aber auch Selbsthilfegruppen, Mitarbeiter von Beratungsstellen, der Hausarzt, ein Seelsorger oder auch ein Psychologe können Ihnen beim Umgang mit Ihren Ängsten wertvolle Hilfestellung geben. Es ist bekannt, dass Betroffene mit guten Sozialkontakten weniger Ängste haben als sozial isolierte Patienten.
  • Ablenkung suchen und Abstand gewinnen
    Es kann sehr belastend sein, sich pausenlos mit seiner Krankheit zu beschäftigen. Ablenkung kann Ihnen dabei helfen, von Ihren Ängsten und Sorgen Abstand zu gewinnen, um ganz bewusst die schönen Dinge des Lebens in den Vordergrund zu rücken. Dabei kann die Ablenkung ein Hobby sein, Aktivitäten mit Familie und Freunden oder ein Spaziergang.
  • Für Bewegung und Entspannung sorgen
    Durch körperliche Aktivität entspannt sich Ihr ganzer Körper und in der Entspannung verringern sich auch Ängste. Bei Bewegung setzt Ihr Körper außerdem körpereigene Stimmungshormone (Endorphine) frei, die gegen Ängste und Schmerzen wirksam sein können. Auch gezieltes Entspannungstraining wie Autogenes Training, Yoga und andere Entspannungstechniken können zur Angstbewältigung sinnvoll sein.
  • Mit Information gegen Unsicherheit und Angst vorgehen
    Informiert zu sein, zu wissen, was bei einer myeloproliferativen Erkrankung im Körper und im Rahmen der Behandlung passiert, kann ebenfalls Ihren Ängsten entgegenwirken. Wenn Sie verunsichert sind und Angst vor der Therapie und dem weiteren Verlauf Ihrer Krankheit haben, sollten Sie deshalb Ihren Arzt um verständliche Erklärungen bitten.

Bei anhaltenden Angstzuständen ist professionelle Unterstützung hilfreich

Wer unter anhaltenden oder sehr starken Ängsten, Panikattacken oder generalisierten Angstzuständen leidet, sollte sich nicht scheuen, professionelle Unterstützung zu suchen. Ohne Therapie können die Symptome einer Angststörung monate- und jahrelang anhalten und das ganze Leben belasten. Es gibt verschiedene Medikamente, aber auch therapeutische Verfahren wie die Verhaltens- oder eine Gesprächstherapie, die zur Angstbewältigung geeignet sind.

In vielen Kliniken gibt es psychologische Beratungsstellen, die Betroffene und Angehörige bei der gesamten Krankheitsverarbeitung unterstützen. Bei Angstzuständen stehen die Spezialisten der psychoonkologischen Beratungsstellen den Betroffenen und ihren Angehörigen zur Seite und können geeignete Wege aus der Angst zeigen.

Stand: 2017

Quellen: 

[1] Heußner P et al. Manual der Psychoonkologie. W. Zuckschwerdt Verlag. 3. Auflage 2009 [2] Diamantidis T. Den Krebs bewältigen und einfach wieder leben. TRIAS Verlag. 2. Auflage 2010 [3] Ehlert U. Verhaltensmedizin. Springer-Verlag: Berlin, Heidelberg 2003