Polycythaemia vera (PV) – Zusammenarbeit mit dem Arzt

Eine chronische Krankheit wie die Polycythaemia vera erfordert die vereinten Kräfte von Patient und Arzt. Eine Teamarbeit, die von Vertrauen und Offenheit geprägt ist, spielt dabei eine wichtige Rolle.

Polycythaemia vera (PV) – Zusammenarbeit mit dem ArztFrüher war die Rollenverteilung zwischen Arzt und Patient meist so geregelt, dass der Arzt wusste, was zu tun ist und der Patient die Anweisungen schlicht befolgte. In den letzten Jahren haben sich die Rollen nach und nach verändert. Patienten und Ärzte arbeiten immer häufiger partnerschaftlich als „Team“ zusammen. Für Menschen mit einer chronischen Erkrankung wie der Polycythaemia vera ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Arzt von besonderer Bedeutung, da sie sich in der Regel auf eine lebenslange Behandlung einstellen müssen.

Zusammenarbeit heißt aktiv werden

Eine aktive Zusammenarbeit zwischen Ihnen und Ihrem Arzt kann den Behandlungserfolg verbessern. Dazu gehört bereits die Aufklärung über Ihre Erkrankung. Wie umfangreich diese Informationen genau sein sollen, ist aber individuell sehr verschieden, denn nicht jeder Betroffene möchte jedes wissenschaftliche Detail erklärt bekommen. Hier zeichnet sich auch schon die Schwierigkeit ab, die bei einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit entsteht: jeder tickt anders. Während ein Patient lieber dem Arzt die Entscheidung der Therapie allein überlässt, möchte ein anderer Patient selbst entscheiden oder bis zu einem gewissen – individuellen – Grad mitbestimmen.

An diesem Beispiel wird deutlich, wie wichtig die Kommunikation zwischen Ihnen und Ihrem Arzt ist. Daher sollten Sie ihrem Arzt immer genau mitteilen, was Sie brauchen und sich wünschen. Je besser Ihr Arzt Sie kennt, desto besser kann er auf Ihre Bedürfnisse eingehen. Einige Beispiele dafür:

  • Wie umfassend wollen Sie informiert werden? Genügen Ihnen allgemeine, verständliche Informationen oder möchten Sie über die neuesten Studien Bescheid wissen?
  • Fällt es Ihnen leichter, medizinische Zusammenhänge zu verstehen, wenn der Arzt sie kurz auf einem Blatt skizziert oder Schaubilder verwendet?
  • Falls es mehrere Therapieoptionen gibt, wollen Sie die Entscheidung dem Arzt überlassen oder in welchem Umfang möchten Sie an der Entscheidung beteiligt sein?
  • Welches Therapieziel haben Sie? Je nach Erkrankung und Situation muss dies nicht die Heilung, sondern kann auch eine maximale Lebensqualität sein.
  • Teilen Sie Ihrem Arzt mit, wenn Sie beispielsweise Beschwerden oder Befürchtungen haben. So kann er gezielt darauf eingehen. Falls Sie z. B. Angst vor Spritzen haben, sagen Sie dies. Vielleicht gibt es Alternativen oder Abhilfe.
  • Verschiedene Patienten benötigen auch individuell verschiedene Informationen, um eine Entscheidung treffen zu können. Fragen Sie also ruhig nach, wenn Sie noch etwas wissen wollen, anstatt in der Annahme zu schweigen, Sie müssten mit den Informationen auskommen, die Sie erhalten haben.

Der Vorteil dieses Austauschs ist, dass der Arzt die Behandlung besser auf Sie abstimmen kann. Dadurch steigt die Zufriedenheit. Viele Patienten bekommen so das gute und wichtige Gefühl, aktiv mit der Erkrankung umzugehen.

Arzt des Vertrauens

Sie können gemeinsam mehr erreichen, je offener Sie miteinander sprechen. Dabei spielt Vertrauen eine wesentliche Rolle.

Prüfen Sie daher, ob Sie sich in Ihrer Arzt-Patienten-Beziehung wohlfühlen und Ihrem Arzt grundsätzlich vertrauen. Es geht letztlich darum, gut zusammenzuarbeiten. Vertrauen kann wachsen und über die Zeit lernen beide Parteien voneinander: Der Arzt versteht Sie besser und Sie profitieren vom medizinischen Wissen und der Erfahrung des Arztes.

Wenn Sie feststellen, dass Sie sich nicht wohlfühlen, machen Sie Ihrem Arzt dies klar und erklären Sie ihm, worauf Sie Wert legen. In manchen Fällen werden Sie eventuell trotzdem keine gemeinsame Basis finden. Vielleicht liegt eine persönliche Abneigung vor, die sich nicht überbrücken lässt. , Dann können Sie sich entscheiden, ob Sie einen Arzt suchen möchten, bei dem „die Chemie“ besser stimmt. Bei Fachärzten, denen Sie nur für einzelne Therapiesitzungen begegnen, kann diese Entscheidung natürlich anders ausfallen, als bei dem Arzt, der Sie über Jahre hinweg betreut.

Konflikte kann es immer geben

Selbst bei einem sehr guten Verhältnis zueinander können zwischen Ihnen und Ihrem Arzt Konfliktsituationen auftreten – dies ist auch ganz normal. Ihr Arzt hat aufgrund seines medizinischen Wissens eine andere Auffassung von Dingen als Sie mit Ihrer persönlichen Lebenserfahrung. Erwartungen oder Ansprüche können sich stark unterscheiden. Dadurch kann es zu Missverständnissen, Enttäuschung oder sogar Streit kommen.

Wenn Sie ein gutes Vertrauensverhältnis zu Ihrem Arzt haben, können Sie offen mit ihm über solche Situationen sprechen, um dann gemeinsam zu überlegen, wie Sie solche Konflikte in Zukunft vermeiden oder besser mit ihnen umgehen können.

Stand: 2017

Quellen: 

[1] Deutsche Krebsgesellschaft e.V. Die Blauen Ratgeber: Patienten und Ärzte als Partner (Stand 12/2014), https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/043_0124.pdf (zuletzt besucht am 10.03.2017) [2] aerzteblatt.de. Teamarbeit zwischen Arzt und Patient erhöht Behandlungserfolg, http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/23671/Teamarbeit-zwischen-Arzt-und-Patient-erhoeht-Behandlungserfolg (zuletzt besucht am 10.03.2017) [3] Wiesemann, C. et al. Medizinethik. Thieme Verlag. 1. Auflage 2005